Neue Lebensphase, neues Wohnen – finden Sie heraus, was zu Ihnen passt
Altersgerechtes Wohnen, das bedeutet heute längst nicht mehr nur die Seniorenresidenz oder das Altersheim. Inzwischen gibt es deutlich mehr Alternativen, ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden oder auch in einer Gemeinschaft zu führen. Gute und rechtzeitige Planung ist allerdings gefragt!
Es heißt oft: einen alten Baum verpflanzt man nicht. Doch Tatsache ist: Wenn wir älter werden, ändern sich oft unsere Wohnbedürfnisse. Das große Haus ist dann für viele mehr Last als Freude, zumal wenn die Kinder ausgezogen sind oder der Partner stirbt. Oder die Wohnung, in der man lange gern gelebt hat, liegt unterm Dach und ein Aufzug fehlt. So geht es zum Beispiel Ortrud Walter.
Die Verwaltungsangestellte ist 63 Jahre alt und lebt seit ihrer Scheidung allein in einer Zweizimmer-Wohnung am Standrand von Ulm. Noch ist Ortrud Walter voll berufstätig und in der Freizeit viel mit ihrem Chor unterwegs. Auch die Treppen in den vierten Stock kann sie noch problemlos bewältigen. Dennoch macht sie sich manchmal schon Gedanken, wie ihr Leben in einigen Jahren aussehen könnte.
Irgendwann wird das mit den 124 Stufen sicher schwieriger und ob ich dann noch zum Duschen über den Badewannenrand steigen kann, ist auch ungewiss.
Sie würde mittelfristig gern umziehen – in eine seniorengerechte Wohnung mit weniger Barrieren. „Außerdem möchte ich auch dann noch meine Freundinnen und Bekannte treffen können, wenn ich nicht mehr ganz so mobil bin wie heute“, sagt sie. „Ich will im Alter nicht den ganzen Tag allein vor dem Fernseher sitzen.“ Eine Wohnform mit Gemeinschaft und Geselligkeit würde ihr gut gefallen.
Austausch und gegenseitige Hilfe, aber auch genügend Privatsphäre, um mich mal zurückzuziehen.
Doch lässt sich so etwas überhaupt finden? Rechtzeitig mit der Suche zu beginnen ist auf jeden Fall empfehlenswert. Denn derzeit sind nur zwei Prozent aller Wohnungen in Deutschland barrierefrei oder -arm. Viel zu wenig angesichts der ständig wachsenden Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen ab 65. Dazu kommen die oft niedrigen Renten, die auf einen seit Jahren angespannten Wohnungsmarkt treffen. Gerade ältere Menschen mit wenig Geld haben es da oft schwer, etwas Passendes zu finden.
Auf dem Markt ist viel passiert
Immerhin, auf dem Markt alternativer Wohnkonzepte für Senioren ist seit einigen Jahren einiges passiert. Die Senioren-WG, die Senioren-Genossenschaft oder das Viertel für generationenübergreifendes Wohnen – das sind nur drei von vielen Möglichkeiten, das Leben als älterer Mensch so zu organisieren, dass sich selbstständiges Leben, soziale Integration, moderate Kosten und Unterstützung im Idealfall in Einklang bringen lassen. Unsere Übersicht aus konventionellen und weniger bekannten Wohnformen im Alter zeigt: Nicht alles ist für jeden geeignet. Für manche Lösungen müssen die entsprechenden finanziellen Mittel vorhanden sein, für andere ein höheres Maß an Toleranz und Anpassungsfähigkeit. Doch auf jeden Fall bietet sich eine interessante Auswahl. Schauen Sie selbst!
Wohnen für Hilfe

Was ist das?
Bei Wohnen für Hilfe bieten alleinstehende ältere Menschen einem jungen Menschen, oft Studierenden, ein Zimmer mietfrei oder zu einer reduzierten Miete an. Im Gegenzug hilft der junge Mensch nach Absprache in Haus oder Garten, unterstützt beim Einkaufen oder begleitet auch bei Arztbesuchen.
Für wen ist Wohnen für Hilfe geeignet?
Wohnen für Hilfe eignet sich für Sie, wenn Sie ein Haus oder eine größere Wohnung haben, die grundsätzlich noch für Ihre Wohnbedürfnisse geeignet ist. Außerdem sollten Sie sozial aufgeschlossen sein und Freude am Zusammenleben mit jüngeren Menschen haben.
Was sollte ich wissen?
Wohnen für Hilfe ersetzt keinen Pflegedienst, die Anwesenheit eines jungen Menschen kann im Alltag aber eine große Unterstützung sein. Wichtig sind gute Absprachen beim Einzug und eine sorgfältige Kennenlernphase, denn die „Chemie“ zwischen Jung und Alt sollte in dieser besonderen Form der Mini-Generationen-WG stimmen.
Wie finde ich Angebote?
Vermittlungsportale für Wohnen gegen Hilfe gibt es vorrangig in Universitätsstädten wie zum Beispiel Erlangen, hier finden Sie auch weitergehende Informationen und Unterstützung. Letztlich können Sie aber auch selbst aktiv werden und Ihr Wohnangebot zum Beispiel auf einem Kleinanzeigenportal inserieren.
Betreutes Wohnen Zuhause

Was ist das?
Beim ambulant betreuten Wohnen bleiben Sie in Ihrer Wohnung und erhalten regelmäßig Unterstützung durch einen externen Dienstleister, zum Beispiel einen Pflegedienst.
Für wen geeignet?
Betreutes Wohnen zuhause ist für Sie geeignet, wenn Ihnen Ihre Privatsphäre und das weitere Leben in Ihrem „vertrauten Reich“ sehr wichtig ist. Außerdem sollte die Wohnung barrierearm sein oder entsprechend umgebaut werden können.
Was sollte ich wissen?
Finanzielle Unterstützung für Pflegedienstleistungen oder die Alltagsbetreuung erhalten Sie nur, wenn bei Ihnen bereits ein Pflegegrad vorliegt. Für die altersgerechte bauliche Anpassung Ihrer Wohnung können Sie ab Pflegegrad 1 Unterstützung durch die Pflegekasse erhalten.
Wie und wo finde ich Angebote?
Lassen Sie sich am besten in einem wohnortnahen Pflegestützpunkt beraten. Die Mitarbeitenden dort kennen die lokalen Anbieter von Pflege- und Alltagsunterstützungsdienstleistungen gut – und können Ihnen Tipps geben, was in Ihrer Situation am besten passt.
Betreutes Wohnen in einer Einrichtung

Was ist das?
Der Begriff „Betreutes Wohnen“ ist nicht geschützt, und die anbietenden Pflegedienste, Pflegeheime oder Wohlfahrtsverbände verstehen darunter oft sehr unterschiedliches. Meist schließen Sie einen Mietvertrag über eine barrierefreie Wohnung zusammen mit einem Servicevertrag ab. Dieser umfasst neben zusätzlich buchbaren Hilfen im Alltag auch die Möglichkeit, im Pflegefall betreut zu werden.
Für wen geeignet?
Der Umzug in einer solche Einrichtung eignet sich, wenn Sie auf eine abgeschlossene eigene Wohnung wertlegen und sich dennoch Gemeinschaftsräume und medizinische / soziale Angebote vor Ort wünschen. Und wenn sie damit rechnen oder darauf vorbereitet sein wollen, bald Unterstützung im Alltag oder Pflege in Anspruch nehmen zu müssen.
Was sollte ich wissen?
Einrichtungen, die betreutes Wohnen anbieten, sind meist recht kostspielig. Entsprechende finanzielle Mittel sollten vorhanden sein, wenn Sie die angebotenen Dienstleistungen nutzen wollen. Eine etwas günstigere Variante kann die Senioren-WG in Trägerschaft sein. Hier mietet ein sozialer Träger eine größere Wohnung an und stellt sie Senioren und Seniorinnen zur Verfügung. Wohn- und Betreuungsangebot gekoppelt, man lebt allerdings in einer Wohnung zusammen und teilt sich Küche, Aufenthaltsräume und Badezimmer.
Wie und wo finde ich Angebote für Betreutes Wohnen?
Informieren können Sie sich auch hier bei Ihrem lokalen Pflegestützpunkt oder direkt bei Anbietern. Angebote für betreutes Wohnen finden Sie auch auf den gängigen Immobilienportalen.
Private Senioren WG

Was ist das?
Diese Wohnform wird immer beliebter. Kein Wunder, viele der heutigen Senioren haben bereits in Studientagen in einer Wohngemeinschaft gelebt. Und im Prinzip ist die Senioren-WG nichts anderes: Je nach Immobilie hat jeder Bewohner ein eigenes Zimmer oder eine eigene Wohneinheit mit Bad und eventuell auch Küche. Dazu kommen Gemeinschaftsräume, die geteilt werden – um zusammen zu kochen, zu spielen oder sich am WG-Küchentisch ein offenes Ohr zu schenken.
Für wen geeignet?
Diese Wohnform eignet sich, wenn Sie gern mit anderen zusammenleben, sich gegenseitig im Alltag unterstützen und eventuelle Wohnkosten sparen wollen. Günstig ist es, wenn Sie in ihrem Leben schon WG-Erfahrung gesammelt haben und die richtigen Mitstreiter an ihrer Seite wissen.
Was sollte ich wissen?
Für die Gründung sollten Sie genügend Energie und Geduld mitbringen, denn neben der Suche nach einer geeigneten Immobilie müssen auch die Regeln und Absprachen der Wohngemeinschaft sorgfältig miteinander entwickelt werden. Die geeignete Wohnung sollte mehrere ähnlich große Zimmer haben und möglichst barrierearm sein.
Wie und wo finde ich Angebote
Wenden Sie sich an die kommunalen Wohnungsunternehmen vor Ort und teilen Sie ihnen mit, dass Sie eine Senioren-WG gründen möchten. Alternativ kann es sich auch lohnen, im Bekanntenkreis nachzufragen, ob jemand sein zu groß gewordenes Einfamilienhaus nicht zukünftig mit netten Mitbewohnern teilen möchte.
Senioren Genossenschaft

Was ist das?
In einer Senioren-Genossenschaft bieten sich die Mitglieder im Rahmen der Selbsthilfe gegenseitig Unterstützung im Alltag an. Dazu gehört zum Beispiel Hilfe in Haus und Garten, die Betreuung von Pflegebedürftigen, Einkaufen, Gesellschaft leisten, Begleitungen bei Arztbesuchen oder Besorgungen. Für jede geleistete Stunde Unterstützung können sich die Mitglieder dabei ein Guthaben auf ein Zeitkonto buchen lassen, das sie später, wenn sie selbst mehr Unterstützung benötigen, einlösen können.
Für wen geeignet?
Senioren-Genossenschaften eignen sich für engagierte Personen, die sich sozial engagieren wollen und zugleich für die eigene Zukunft als älterer Mensch vorsorgen wollen.
Was sollte ich wissen?
Senioren-Genossenschaften können. müssen aber nicht mit geteiltem Wohnraum verbunden sein. Die Gründung von Senioren-Genossenschaften können vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert werden.
Wie finde ich Senioren-Genossenschaften?
Erkundigen Sie sich in Ihrer Gemeinde, ob bereits Senioren-Genossenschaften existieren. Oder lassen Sie sich bei der Gründung unterstützen, zum Beispiel hier.
Generationenhaus

Was ist das?
In einem Generationenhaus wohnen mehrere Generationen unter einem Dach, meist in abgeschlossenen Wohneinheiten. Unterschiedliche Unterstützungsbedarfe können sich hier ideal ergänzen. Familien mit kleinen Kindern brauchen oft Hilfe bei der Betreuung, ältere Menschen freuen sich über Unterstützung beim Einkaufen oder kleinen Reparaturen.
Für wen geeignet?
Generationenhäuser sind für Sie geeignet, wenn Sie noch gut allein zurechtkommen, aber gern da wohnen möchten, wo es gern auch mal trubelig zugeht. Hier leben oft viele Kinder und das bedeutet: Es kann auch mal etwas lauter werden. Gleichzeitig ist das Zusammenleben mit jüngeren Menschen ideal, um noch gebraucht zu werden und weiter Anteil an der sich wandelnden Gesellschaft zu nehmen.
Was sollte ich wissen?
Nicht alle, die in einem Generationenhaus wohnen, haben zwingend Lust auf Austausch und gegenseitige Unterstützung. Die Vernetzung innerhalb der Bewohner findet freiwillig statt – und wer nicht mag, wird auch nicht zum Mitmachen gezwungen.
Wie und wo finde ich Angebote von Generationenhäusern?
Generationenhäuser gibt es bereits in zahlreichen Kommunen. Erkundigen Sie sich am besten im Wohnungsamt Ihrer Kommune, auch Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür oder Sommerfeste können Sie nutzen, um die Generationenhäuser in Ihrer Stadt besser kennenzulernen.
Und wie geht´s jetzt weiter?
Frau Walter gefällt sowohl die Idee einer Senioren-WG als auch das Generationen-Haus sehr gut. Mit einigen Chor-Freundinnen hat sie schon Gespräche dazu begonnen. „Dann können wir unseren eigenen Haus-Chor gründen, das wäre doch traumhaft“, findet sie. Am Generationenhaus wiederum gefällt ihr die Möglichkeit, ein wenig in die Großmutter-Rolle zu schlüpfen.
Noch gebraucht zu werden, das ist schon eine sehr schöne Vorstellung.
In der nächsten Zeit will sie sich auf jeden Fall weiter informieren – und eine Wohnberatung einholen. „Noch fühle ich mich sehr wohl in meinem Zuhause“, sagt sie. „Aber es ist auch aufregend, dass bald vielleicht noch einmal ein ganz neues Kapitel beginnt.“
Empfehlungen zum Weiterlesen und -klicken
Übersicht bundesweit: Wohnberatungsstellen
Koordinationsstelle Wohnen im Alter
Zuhause Daheim. Beispiel für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.