Konflikte und Krisen am Arbeitsplatz: Sieben Tipps für einen souveränen Umgang mit Spannungen im Büro
Kaum etwas ist unangenehmer als eine vergiftete Atmosphäre am Arbeitsplatz. Ursache sind oft nicht angesprochene Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten. Doch wenn man sich Meinungs- und Mentalitätsunterschiede mit Abstand genauer anschaut, lässt sich oft etwas Positives für das Büroklima und das eigene Wohlbefinden tun.
Konflikte und schwierige Beziehungen gehören zum Leben – zumal in der oft von Konkurrenz geprägten Arbeitswelt. Das drückt allerdings bei vielen Erwerbstätigen erheblich auf das Wohlbefinden: Ein Viertel aller Befragten sieht sich laut statistischem Bundesamt am Arbeitsplatz psychischen Belastungen ausgesetzt – oft wegen des Umgangs mit schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten. Doch was kann, was sollte man ansprechen – und wo empfiehlt es sich, lieber stumm zu leiden?
Das Spektrum der Ursachen für Spannungen am Arbeitsplatz ist denkbar weit gespannt und reicht von Geräuschbelästigungen bis zur knallharten Konkurrenz um eine angestrebte Position. Eine Universallösung für alle Fälle kann es da naturgemäß kaum geben. Doch alle vereint, dass es sich dabei um Konflikte handelt. Und auch wenn wir diese nicht vermeiden können, so lässt sich doch unsere Konfliktfähigkeit ausbauen.
Zahlen und Daten zum Thema

DER BEFRAGTEN ARBEITNEHMERINNEN UND ARBEITNEHMER GEBEN AN,
DASS DAS ARBEITSKLIMA IHR WOHLBEFINDEN AM ARBEITSPLATZ BEEINFLUSST.

ALLER BEFRAGTEN GABEN AN, DASS EINE ANGENEHME ARBEITSATMOSPHÄRE
EIN WICHTIGER FAKTOR FÜR DIE ARBEITGEBERWAHL IST.
Quellen: Statista/Randstad
Gemeint ist damit die Kompetenz Konflikte zu analysieren, auszuhandeln oder gegebenenfalls auch einmal auszuhalten. Konflikte lassen sich (unter anderem) unterscheiden in Sach-, Beziehungs-, Rollen-, Wert- oder Interessenskonflikte. Sachkonflikte im Büro lassen sich oft gut diskutieren, Beziehungs- und Rollenkonflikte greifen meist tiefer und bergen ein Eskalationspotential, weil sie oft mit persönlichen Verletzungen und Kränkungen einhergehen.
Mit unseren 7 Tipps erfahren Sie, wie Sie auch mit heiklen Situationen im Team souverän umgehen können und wie Sie Ihre Konfliktfähigkeit stärken können.
Ärger nicht runterschlucken. Viele haben großen Respekt vor Auseinandersetzungen und vermeiden es, offen anzusprechen, wenn sie das Verhalten eines Kollegen stört. Dauerhaft seinen Ärger herunterzuschlucken ist jedoch keine gute Idee. „Die Gefahr besteht, dass man irgendwann explodiert oder den Respekt vor sich selbst verliert“, warnt die Kommunikationsexpertin und Buchautorin Silke Weinig. Allerdings ist es schon verständlich, dass wir meist großen Respekt vor Auseinandersetzungen haben: Denn wenn Konflikte auf den Tisch kommen, können sie auch sehr schnell eskalieren. Kommunikationsexpertin Weinig rät hier zum wichtigsten Grundprinzip des Konfliktmanagements: im Dialog bleiben. „Wenn Sie im Gespräch merken, dass eine ungute Spannung entsteht, sollten Sie möglichst schnell reagieren und versuchen, den Wind aus den Segeln nehmen.“ Mehr zu diesem Punkt erfahren Sie in Tipp 5.
Eigene Anteile reflektieren, Konflikte analysieren. Konflikte entstehen nicht selten dadurch, dass man erzwingen möchte, dass die anderen es so machen, wie man es selbst gern möchte. Doch Menschen sind nun einmal unterschiedlich. Als Konfliktprofi analysieren Sie, was Sie eigentlich genau stört und vergegenwärtigen sich zunächst selbst Ihre Prioritäten und Bedürfnisse. Die beiden Schlüsselbegriffe sind an dieser Stelle Selbstreflexion und Selbstrespekt. Untersuchen Sie, worin möglicherweise Ihre eigenen Anteile an der Situation bestehen und nehmen Sie zugleich auch Ihre eigenen Interessen ernst. „Wenn ich weiß, was mir wichtig ist, kann ich oft automatisch besser auf Augenhöhe verhandeln, einem Kollegen Grenzen aufzeigen und für mich selbst einstehen,“ rät Silke Weinig. Das helfe auch dabei, das Verhalten des anderen nicht so schnell persönlich zu nehmen.
Schwierige Themen gekonnt ansprechen. Wählen Sie einen ruhigen Ort und den geeigneten Zeitpunkt, um Probleme anzusprechen. Zwischen Tür und Angel sollte es keinesfalls sein. Versuchen Sie zu erklären, wie Sie die Situation wahrnehmen und erleben und welche sachlichen Gründe für Ihr Anliegen sprechen. Dafür ist es hilfreich, sich gut vorzubereiten und seine Position gut verargumentieren zu können.
Toxische Wörter vermeiden. Wählen Sie Ihre Worte sorgfältig. Manche Formulierungen geben Menschen besonders schnell das Gefühl, angegriffen zu werden. Berüchtigt dafür sind generelle Du/Sie-Botschaften in Verbindung mit den Worten „immer“, „nie“ und „ständig“. Auch „Warum-Fragen“ setzt viele Menschen unter einen starken Rechtfertigungsdruck und sind daher mit Vorsicht zu genießen. Ebenfalls nicht empfehlenswert ist es, dem anderen zu sagen, er soll doch bitte weniger emotional sein. Auch andere Formen der „psychologisierenden Ansprache“ werden oft als Versuch wahrgenommen, den Gegenüber in eine bestimmte Ecke zu manövrieren. Zollen Sie Ihrem Gesprächspartner Respekt, indem Sie solche Formulierungen vermeiden und ihm auf Augenhöhe begegnen.

LESETIPP!
Silke Weinig: Mit schwierigen Menschen klarkommen
(erschienen im Humboldt Verlag)
Destatis: Gefährdung durch Stress am Arbeitsplatz
Im Gespräch bleiben: So treten Sie auf die Eskalationsbremse.In verbalen Auseinandersetzungen kann die Emotion schnell von null auf hundert hochschnellen. Wer sich persönlich getroffen fühlt reagiert mit Rückzug und ist dann oft gar nicht mehr ansprechbar. „Um das zu vermeiden sollten Sie versuchen, Zeit zu gewinnen und das Geschehen bewusst zu verlangsamen. Bitten Sie um Bedenkzeit oder schlagen Sie vor, dass man in einer halben Stunde oder am Nachmittag noch einmal sprechen kann, sodass beide Parteien nachdenken und sich beruhigen können“, rät Silke Weinig. Zur Deeskalation trägt auch bei, bewusst leise und langsam zu sprechen und auf eine entspannte, aber aufrechte Körperhaltung zu achten. Geben Sie dem Gegenüber Zeit, sich mit Ihrer Position auseinanderzusetzen und signalisieren Sie, dass Sie zwar für Ihre Sache einstehen, aber gesprächsbereit bleiben.
Respekt zeigen und für sich einfordern: Wie es gelingt, das Anderssein von Anderen besser zu ertragen Konfliktfähigkeit bedeutet auch, das Anderssein von Menschen und die Existenz unterschiedlicher Interessen aushalten zu können. Üben Sie sich darin, Auseinandersetzungen weniger persönlich zu nehmen, und betrachten Sie sie als Möglichkeit, Empathie für ihr Gegenüber und Verhandlungsgeschick für ihre eigenen Interessen zu trainieren. Noch einmal Expertin Silke Weinig: „Wenn Sie von sich wissen, was Sie wollen und warum Sie es wollen, können sie mit der entsprechenden Empathie auch bei Ihrem Gegenüber Ziele und Beweggründe für ein bestimmtes Verhalten erkennen und anerkennen.“ Im besten Fall fühlt sich Ihr Gegenüber dann trotz Konflikt in der Sache persönlich respektiert und begegnet Ihnen entsprechend. Daraus kann sich mit etwas Glück eine ganz neue Ebene der Beziehung entwickeln.
Lösungen finden, die vorher keiner sieht: Probieren Sie den Orangentrick Konflikte bieten die Chance herauszufinden, worum es allen Beteiligten eigentlich geht. Dass es sich lohnt, sie tiefer anzuschauen und im Gespräch nach verborgenen Lösungen zu suchen, zeigt ein Beispiel aus der berühmten „Harvard-Verhandlungsmethode“. Darin streiten zwei Kinder sich um eine Orange. Die Mutter will den Streit schlichten, indem sie die Orange in zwei gleich große Teile schneidet. Dann kommt heraus: ein Kind wollte eigentlich die Schale, das andere Kind den Saft. Das Teilen der Orange war nicht die beste Konfliktlösung. Um diese zu erkennen, hätte die Mutter die Kinder befragen und die Interessen hinter dem Konflikt erkennen müssen. Wenn Sie den Orangen-Trick anwenden möchten, bedeutet das: Sprechen Sie viel mit den Kollegen, mit denen Sie Konflikte haben, und hören Sie gut zu. Denn je besser Sie ihre Konfliktgegner verstehen und die Interessenlage kennen, umso eher werden sich auch Lösungen finden lassen.
Konfliktkultur ist Trainingssache – aber auch eine Aufgabe des Arbeitgebers
Von einem besseren Betriebsklima profitieren alle. Mit dem richtigen Mindset aus Selbstachtung und Empathie, Neugier und etwas Erfahrung im Streiten lässt sich viel dafür tun. Denn mit konfliktfähigen Mitarbeitenden lassen sich viele Konflikte am Arbeitsplatz nicht nur entschärfen, sondern sogar für eine positive Veränderung nutzen. Wichtig ist dafür allerdings ein gemeinsamer Sinn für eine gute Streitkultur im Büro – und hier ist auch der Arbeitgeber gefragt. An ihm ist es, die Rahmenbedingungen für eine positive Konfliktkultur zu schaffen und Regeln aufzustellen. „Eine positive Konfliktkultur zeichnet sich“, so Kommunikationsexpertin Weinig, „dadurch aus, dass es vielleicht hart in der Sache zugeht – aber weich zu den Menschen. Sie setzt voraus, dass sich alle persönlich und in ihrer beruflichen Rolle respektiert fühlen.“
Tipp zum Weiterschauen
„Wie man mit schwierigen Kolleg:innen umgeht“ von Irgendwas mit Arbeit