Jung und Alt: Wie wir die Zukunft sehen
Die Zukunft ist immer offen, doch gerade ist besonders viel los. Wir und damit besonders die junge Generation stehen vor großen Herausforderungen, wie der Digitalisierung, der Klimafrage oder dem demografischen Wandel. Wir haben gefragt: Wie planen Jung und Alt jetzt ihr Leben? Woraus ziehen sie ihre Zuversicht? Und welche Rolle spielt für sie das Thema Altersvorsorge?
Wir leben in interessanten, aber auch bewegten Zeiten. Das hat auch Einfluss auf das Lebensgefühl der nächsten Generation. Laut einer aktuellen Befragung von Infratest geben 86 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, dass sie sich Sorgen um die Zukunft machen. Doch so krisenhaft die Zeiten einerseits empfunden werden, so optimistisch schauen viele dennoch nach vorn, wenn es um ihre persönliche Zukunft geht.
Junge Menschen haben heute Zugang zu mehr Informationen und mehr Ressourcen als jede Generation zuvor. Mit der digitalen Technik sind sie seit Sandkastenzeiten vertraut, und der Arbeitsmarkt empfängt sie mit offenen Armen. Kein Wunder, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit sich auf einem historisch niedrigen Niveau bewegt. Laut Jugendstudie 2022 gehen 86 Prozent der jungen Menschen im Alter von 17 bis 27 Jahren davon aus, dass sie eine gute Arbeit haben werden. Fast ebenso viele erwarten, dass sie ihr Leben genießen und einen guten Lebensstandard erreichen können.
Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann attestiert der jungen Generation zudem große Gestaltungskraft und Flexibilität: „Junge Leute sind sehr zukunftsorientiert und bereit, selbst etwas für ihre eigene Zukunft zu tun – beim Thema Rente genauso wie in der Klimafrage.” Die Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010) ist heute auch mehrheitlich davon überzeugt, dass es wichtig ist, gut für das Alter vorzusorgen – trotz oder gerade wegen der ganzen aktuellen Krisen. Über 80 Prozent der Befragten der Jugendstudie 2022 geben an, bereits für die Zukunft zu sparen und sich wegen ihrer geringen staatlichen Rente im Alter zu sorgen.
Überzeugende Rentenprodukte kennen die Jungen jedoch oft (noch) nicht. Viele, berichtet die Studie, setzen dabei bisher vor allem auf Börseninvestment und unterschätzen die damit verbundenen teils hohen Risiken. Hier könnte mehr Wissen über zusätzliche Vorsorgeprodukte und eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge für mehr Balance in der Finanzplanung sorgen. Dass Altersarmut eines der großen Probleme der Zukunft ist, weiß auch die Generation der heutigen Rentner. Die Zahl der armutsgefährdeten Senioren ist in den letzten drei Jahren um fast 20 Prozent angestiegen. Hohe Inflation und der starke Anstieg der Energiepreise belasten gerade viele Budgets. Ein auskömmliches Einkommen im Alter und das Wissen, wie man dazu kommt, ist somit ein wichtiges Ziel, das Jung und Alt verbindet und das die Solidarität und den Austausch der Generationen fördern kann.

FAKTEN
Fast jede und jeder Sechste der über 65-Jährigen in Deutschland ist armutsgefährdet. 1*
Im Zeitraum 2015 bis 2024 werden in Deutschland 3,1 Billionen Euro vererbt. 2*
1) Quelle: Statistisches Bundesamt 2) Quelle: Erben in Deutschland, 2015-2024, Deutsches Institut für Altersvorsorge 2015
„Mir macht Mut, dass wir so eine Ausnahmesituation wie Corona alle gemeinsam gemeistert haben.“
SILVIA, ROSENHEIM, 32
Ich arbeite als Krankenschwester in einer orthopädischen Kinderklinik, meine kleine Tochter Lotta ist vier Jahre alt. Wenn ich über die Zukunft nachdenke, mache ich mir zum Beispiel Gedanken über die steigenden Lebenshaltungskosten. Mein Mann ist selbstständig als Schreiner, das war schon während der Pandemie nicht immer einfach. Auch jetzt gerade geht es in seiner Branche turbulent zu. Doch ganz unabhängig davon ist mir ein stabiles eigenes Einkommen wichtig: Ich möchte auf eigenen Füßen stehen.
Privat geht es uns gerade sehr gut, wir leben in einem Haus im Grünen, das wir gemeinsam vor einigen Jahren restauriert haben. Wir genießen die Zeit als Familie miteinander, unsere Freunde wohnen um die Ecke. Mein Job ist sehr anstrengend, aber macht mir auch viel Freude – nur der Blick auf die jährliche Renteninformation ist ernüchternd. Ich plane deshalb, möglichst bald wieder Vollzeit zu arbeiten. Ich möchte mich langfristig beruflich noch weiterentwickeln, zum Beispiel zur Ausbilderin oder Intensivkrankenschwester – damit ich später mehr Rente bekomme und noch zusätzlich vorsorgen kann. Durch die Arbeit in der Klinik war ich während der Pandemie sehr nah dran am Krisengeschehen. Mir macht Mut, dass wir so eine Ausnahmesituation wie Corona alle gemeinsam gemeistert haben. Der Zusammenhalt in unserer Klinik – und wie sich Menschen in den Städten gegenseitig unterstützt haben.
„Wenn ich an die Zukunft denke, freue ich mich darauf, ziemlich abgefahrene Erfindungen im Einsatz zu erleben.“
MESUT, NÜRNBERG, 22
Zukunft, nun ja – da kann auf jeden Fall noch viel passieren! Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich habe erst vor zwei Jahren meine Ausbildung als Verwaltungsangestellter abgeschlossen. Gerade möchte ich vor allem das Leben genießen und mit meinen Freunden ausgehen, nachdem das wegen der Pandemie so lange nicht ging. Aber natürlich habe ich auch beruflich einiges vor. Und irgendwann wird sicher auch die Zeit kommen, wo ich eine Familie gründen möchte. Von meinem aktuellen Gehalt könnte ich mir das auf keinen Fall leisten, deshalb habe ich schon darüber nachgedacht, mein Abitur an der Abendschule nachzumachen. Damit hätte ich auch bei meinem jetzigen Arbeitgeber viel bessere Verdienstmöglichkeiten.
Wenn ich an die Zukunft denke, freue ich mich darauf, ziemlich abgefahrene Erfindungen im Einsatz zu erleben. Den Hyperloop zum Beispiel oder Städte mit begrünten Fassaden, in denen sich alle Autos fahrerlos bewegen. Ich bin auch gespannt, wie sich das Reisen in den nächsten Jahren verändern wird, und hoffe, dass ich es mir dann leisten kann, mir die Welt anzuschauen und die neuen Möglichkeiten auszuprobieren. Auch wenn ich nicht täglich Nachrichten schaue, kriege ich schon mit, dass viele Leute gerade eher pessimistisch sind. Ich bin allerdings ein geborener Optimist und lasse mich davon nicht anstecken. Ich denke: Das Leben ist schön. Ich versuche, die Welt besser zu machen, indem ich mir meine Heiterkeit bewahre – und auch andere zum Lächeln bringe.
„Zuversichtlich stimmt mich, wenn ich sehe, dass Menschen gerade in Krisen bereit sind, ihr Verhalten stärker zu verändern.“
HEIDI, REGENSBURG, 73
Nach vielen Jahren im öffentlichen Dienst bin ich nun seit sieben Jahren im Ruhestand. Als unser Sohn klein war, habe ich zehn Jahre nicht gearbeitet. Das merke ich schon an der Rente – und es ärgert mich. Mein Mann, von dem ich inzwischen geschieden bin, steht deutlich besser da. Zum Glück habe ich aus meiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst meine Betriebsrente und ich habe zudem noch zusätzlich vorgesorgt. Wenn die Preise allerdings weiter so stark steigen, mache ich mir schon Sorgen und hoffe, dass die Regierung zukünftig auch mehr für uns Rentner tun wird. Ich habe keine Pläne für eine große Weltreise oder andere kostspielige „Lebensträume“ in der Schublade. Ich möchte einfach lange aktiv am Leben in meiner Stadt und Region teilhaben. Meine große Leidenschaft ist gutes Essen. Ich kaufe gern im Bioladen ein und probiere Rezepte aus, um sie dann in meiner kleinen Wohnung mit meinen Freundinnen oder mit meinem erwachsenen Sohn und seiner Freundin zu genießen. Umweltschutz ist mir wichtig, und ich sehe schon, dass die nächste Generation da noch Enormes zu meistern hat. Zuversichtlich stimmt mich, wenn ich sehe, dass Menschen gerade in Krisen bereit sind, ihr Verhalten stärker zu verändern.
Das erleben wir ja gerade wieder beim Energiesparen. Plötzlich geht es dann doch. Zeiten großer Ungewissheit gab es auch in meiner Jugend. Einen festen Job zu bekommen, war damals schon ein großes Glück. Mein Sohn und seine Freundin waren gerade für ein Jahr in ihrer Lieblingsstadt Barcelona und haben von dort gearbeitet, mit Einverständnis der Arbeitgeber. Die heutige Generation hat, was das angeht, gerade fantastische Möglichkeiten und ganz andere Freiheiten. Auch das wird unsere Welt – hoffentlich positiv – verändern.
„Mit unseren Gehältern konnten wir uns vor 14 Jahren eine Doppelhaushälfte am Stadtrand kaufen, in der unsere beiden Kinder groß geworden sind. Das wäre heute so nicht mehr möglich.“
PETER, MÜNCHEN, 55
Gemeinsam mit meiner Frau konnte ich mir in den letzten dreißig Jahren ein gutes Leben aufbauen. Wir haben beide interessante und herausfordernde Jobs: ich als Personalleiter bei einem Versorgungsunternehmen, meine Frau in einer Unternehmensberatung. Mit unseren Gehältern konnten wir uns vor 14 Jahren eine Doppelhaushälfte am Stadtrand kaufen, in der unsere beiden Kinder groß geworden sind. Das wäre heute so nicht mehr möglich. Das Haus ist Teil unserer zusätzlichen Altersvorsorge, noch ist es allerdings nicht abgezahlt. Wir sind also ganz gut abgesichert. Dennoch mache ich mir Sorgen über die allgemeine wirtschaftliche und politische Situation. Auch wegen unserer Kinder, die in dieser turbulenten Zeit ihren Weg finden müssen. Aber die beiden schaffen das schon.
Die steigenden Zinsen und Energiekosten spüren wir auch in unserem Haushaltsbudget. Und ich kann mir vorstellen, wie sehr das viele Familien gerade belastet, die nicht so gut verdienen. Vielleicht werden meine Frau und ich das Haus irgendwann doch verkaufen und uns etwas Kleineres suchen, Wenn die Kinder ausgezogen sind. Das wäre auch noch mal ein neuer Lebensabschnitt, mit zusätzlicher finanzieller Freiheit. Nachdem einer meiner besten Freunde im letzten Jahr einen Herzinfarkt hatte, denke ich häufiger darüber nach, beruflich etwas kürzer zu treten. Denn so gern ich die Arbeit mag: Die Gesundheit und die Familie sind dann doch wichtiger.