Im Interview mit Maria‑Anna Stadler – Warum Gleichstellung bei der BVK mehr als ein Auftrag ist
Gleichstellung ist bei der BVK mehr als ein formaler Auftrag – sie ist Teil einer modernen, wertschätzenden Arbeitskultur. Seit 2019 setzt sich Maria‑Anna Stadler als Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit Ihren Stellvertretungen dafür ein, Chancengleichheit im Arbeitsalltag sichtbar und erlebbar zu machen. Mit Informationsangeboten, Aktionen und Veranstaltungen werden Themen wie Rollenbilder, berufliche Entwicklung und finanzielle Selbstbestimmung aufgegriffen.
Im Gespräch erläutert Maria-Anna Stadler, warum Gleichstellung ein fortlaufender Prozess ist – und weshalb sie auch mit Blick auf Vorsorge und finanzielle Sicherheit eine zentrale Rolle spielt.
Frau Stadler, Sie sind seit 2019 Gleichstellungsbeauftragte. Was bedeutet Gleichstellung für Sie persönlich – und was konkret im Arbeitsalltag der BVK?
Gleichstellung bedeutet für mich, dass alle Beschäftigten – unabhängig von Geschlecht, Lebensphase oder individuellen Rahmenbedingungen – fair behandelt werden und die gleichen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten haben.
Als Gleichstellungsbeauftragte habe ich zudem eine klare gesetzliche Rolle nach dem Bayerisches Gleichstellungsgesetz
Ich bin frühzeitig in Personal-, Organisations- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um sicherzustellen, dass Gleichstellungsaspekte berücksichtigt werden.
Seit 2019 setze ich mich gemeinsam mit meinem Team dafür ein, diesen Anspruch im Arbeitsalltag sichtbar und erfahrbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um Regeln und Verfahren, sondern vor allem um Haltung, Bewusstsein und konsequente Umsetzung.
Gleichstellung wirkt dann, wenn sie im Denken, Entscheiden und Handeln verankert ist.

Foto: BVK – Maria-Anna Stadler
Gewinnspiel: Mitmachen und gewinnen!!!
Finanzielle Unabhängigkeit ist ein wichtiger Baustein von Gleichstellung – das wird auch im Interview deutlich. Passend dazu verlosen wir:
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„Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ von Helma Sick.
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Unsere Frage:👉 Seit welchem Jahr ist Maria-Anna Stadler Gleichstellungsbeauftragte?
Teilnahmebedingungen
Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrer Arbeit gesetzt?
Neben unseren klassischen gesetzlichen Aufgaben – wie Personalmaßnahmen zu begleiten, Beschäftigte zu beraten und Organisationsentscheidungen zu prüfen – legen wir besonderen Wert auf Sensibilisierung durch niedrigschwellige Angebote.
Mir ist wichtig, dass Gleichstellungsthemen regelmäßig, vielfältig und ohne erhobenen Zeigefinger präsent sind.
Deshalb kombinieren wir große Veranstaltungen, kleinere Aktionen und dauerhaft verfügbare Angebote, die informieren, zum Austausch anregen und konkrete Impulse für den eigenen Arbeitsalltag liefern.
Was heißt das konkret? Welche Formate spielen eine Rolle?
Unser Angebot ist bewusst breit angelegt.
Wir greifen gesellschaftliche und berufliche Gleichstellungsthemen beispielsweise in kulturellen Formaten auf – etwa beim gemeinsamen Kinobesuch des Films Hidden Figures, der die Bedeutung weiblicher Leistungen sichtbar macht.
Ergänzt wird dies durch Vorträge und Coachings, zum Beispiel den Coachingvortrag „Stimme, Status und Rituale“ oder „Mann spricht Frau“.
Daneben gibt es Mitmachaktionen rund um den Weltfrauen- oder Weltmännertag, etwa die „Rollenmonster-Aktion“, die spielerisch stereotype Erwartungen hinterfragt. Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Zugänge und spricht verschiedene Zielgruppen an.

Foto: BVK – Maria-Anna Stadler im Gespräch mit Susanne Sternefeld (Redaktion BESTENS ABGESICHERT)
Welche Angebote gibt es jenseits von Veranstaltungen?
Ein wichtiges Projekt ist der Aufbau einer Gleichstellungsbibliothek für Mitarbeitende.
Dort finden sich Bücher zu Themen wie Karriereentwicklung, Finanzwissen, Verhandlungsstrategien, Rollenbildern oder Gleichstellung im weiteren Sinne. Die Idee dahinter: unkompliziert einen Zugang zu unterschiedlichen Themen zu schaffen und ins Gespräch zu kommen.
Zudem informieren wir regelmäßig im Intranet über politische Entwicklungen zu Gleichstellungsthemen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen – gerade in einer großen öffentlichen Einrichtung?
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, Gleichstellung nicht nur formal, sondern auch kulturell zu verankern. Das BayGlG gibt einen klaren Rahmen vor – doch entscheidend ist, wie dieser im Alltag gelebt wird.
Themen wie Teilzeit in Führungspositionen, der Wiedereinstieg nach Familienphasen oder die Sichtbarkeit von Frauen in verantwortungsvollen Rollen erfordern kontinuierliche Aufmerksamkeit.
Gerade in einer großen Organisation braucht Veränderung Zeit, klare Kommunikation und das Engagement vieler Beteiligter.
Welche Fortschritte wurden in den letzten Jahren erreicht?
Wir haben wichtige Schritte gemacht – etwa bei flexibleren Arbeitsmodellen, mobiler Arbeit und einer stärkeren Sensibilisierung von Führungskräften für Gleichstellungsthemen.
Auch der Austausch ist offener geworden: Gleichstellung wird heute häufiger als gemeinsame Aufgabe verstanden – nicht als Spezialthema, sondern als Teil guter Personalpolitik und als gesetzlicher Auftrag, der uns alle betrifft.
Viele Frauen übernehmen im Laufe ihres Berufslebens zusätzliche Verantwortung, etwa durch Familie oder Pflege. Welche langfristigen Folgen kann das haben – auch mit Blick auf die Altersvorsorge?
Solche Lebensphasen wirken sich oft nicht sofort, sondern erst langfristig aus – insbesondere auf Einkommen und Altersvorsorge. Genau deshalb ist es mir wichtig, diese Zusammenhänge frühzeitig sichtbar zu machen.
Mit Vorträgen wie „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ von Helma Sick haben wir bewusst ein Angebot geschaffen, das finanzielle Fragen verständlich, alltagsnah und ermutigend vermittelt.
Wer weiß, welche Auswirkungen Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen oder geringere Einkommen haben können, ist besser in der Lage, bewusst gegenzusteuern und eigene Vorsorgeentscheidungen zu treffen.
Finanzielle Bildung ist für mich ein zentraler Bestandteil von Gleichstellung – weil sie die Grundlage für Selbstbestimmung und Sicherheit im späteren Leben bildet.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir weiterhin offen für Veränderung bleiben und Gleichstellung selbstverständlich mitdenken – in Projekten, Personalentscheidungen und im täglichen Miteinander.
Wenn wir Vielfalt als Stärke begreifen und unterschiedliche Lebensentwürfe gleichermaßen unterstützen, profitieren am Ende alle: die Beschäftigten ebenso wie die Organisation.
Herzlichen Dank Maria-Anna Stadler!!!
Gleichstellung in Zahlen (Deutschland)
Gender Pay Gap — Frauen verdienen durchschnittlich 16 % weniger pro Stunde als Männer (2025).
Teilzeitquote — 49 % der erwerbstätigen Frauen, aber nur 12 % der Männer arbeiten in Teilzeit (2024).
Erwerbsbeteiligung von Eltern — 71 % der Mütter, aber 92 % der Väter mit minderjährigen Kindern sind erwerbstätig (2024).
Care-Arbeit — Frauen leisten täglich rund 1 Stunde mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.
Frauen in Führung — Nur rund jede dritte Führungsposition ist mit einer Frau besetzt (2024).
Gender Pension Gap — Die Alterseinkünfte von Frauen sind 27 % niedriger als die von Männern (2023).
Altersarmut — 21 % der Frauen ab 65 Jahren gelten als armutsgefährdet, bei Männern sind es 17 %.
(Quellen: destatis.de, BMFSFJ, gleichberechtigt.org)