Willkommen beim Onlinemagazin der BVK Zusatzversorgung
 

Masterplan Lebensmitte: So gelingt der Aufbruch zum neuen Jobglück

Masterplan Lebensmitte: So gelingt der Aufbruch zum neuen Jobglück

Manchmal ist es einfach die Sehnsucht nach etwas Neuem, manchmal auch die notwendige Reaktion auf äußere Umstände: Späte Karrierewechsel gehören heute zum Berufsalltag. Neben Mut braucht es beim Spurwechsel in der Lebensmitte auch einen guten Plan und viel Reflexion. Dann kann die Veränderung das bringen, was sich viele wünschen: Ein Plus an Sinn, Freiheit und Zufriedenheit.  

Eigentlich hatte Sabine K. (47) beruflich genau das erreicht, worauf sie seit vielen Jahren hingearbeitet hatte. Eine leitende Position mit Gestaltungsmöglichkeiten in der Verwaltung einer bayerischen Kommune – mit sicherem Einkommen, geregelten Arbeitszeiten und einem guten Team. Doch in den letzten Jahren keimte bei ihr immer wieder die Frage auf:

„War es das jetzt? Oder doch mal etwas ganz Neues?“

Sabines Sehnsucht nach Veränderung ist kein Einzelfall. Zahllose Möglichkeiten stehen uns heute in der Arbeitswelt offen. Dazu kommt: Viele Menschen entwickeln besonders in den „mittleren Lebensjahren“ ein neues Verhältnis zum Job. Was bisher wichtig war, erscheint plötzlich in neuem Licht. Stand vorher die Karriereleiter im Fokus, zählt zukünftig vielleicht mehr die Zeit für die Familie, die eigene Gesundheit oder der Wunsch, eine wirklich sinnstiftende Tätigkeit auszuüben.

 

DER ARBEITNEHMER DENKEN 1 X
PRO MONAT ÜBER EINEN BERUFSWECHSEL NACH 

DER GENERATION Z ERWÄGT NOCH
IN DIESEM JAHR EINEN JOBWECHSEL

Quelle 1: Stepstone, der Wandel zum Arbeitnehmermarkt, 2023.
Quelle 2: https://www.new-work.se/de/newsroom/pressemitteilungen/2025_xing_so_bewerten_die_altersgruppen_die_arbeitswelt

 

Mehr Lebensjahre, mehr Karrierezeit

Immer mehr wirkt in den letzten Jahren auch der demografische Wandel auf die Arbeitswelt: Mit steigender Lebenserwartung und den politischen Notwendigkeiten zur Sicherung der Rentensysteme wird die Lebensarbeitszeit kontinuierlich länger. Wer mit 45 oder 50 Jahren in einen neuen Beruf wechselt, hat deshalb heute nicht nur ein paar Restjahre vor sich, sondern oft noch mehr als zwei volle Jahrzehnte der Erwerbstätigkeit. Zeit, die viele aus gutem Grund lieber bewusst gestalten wollen, als sie mit dem sehnsüchtigen Abwarten auf das Rentenalter zu verbringen.

Ihre Arbeit wird einen großen Teil Ihres Lebens ausfüllen, und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist, das zu tun, was Sie für großartige Arbeit halten. Und der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, ist, zu lieben, was Sie tun. (Steve Jobs)

Auch Digitalisierung, der anhaltende Fachkräftemangel und die Zunahme flexibler Arbeitsmodelle zwingen zur Veränderung – und eröffnen zugleich neue Chancen – auch und gerade für erfahrene Quereinsteiger. Gefragt sind nicht nur jungen Talente, sondern auch die Stärken der älteren Generationen:  Berufs- und Lebenserfahrung, Loyalität und Problemlösungskompetenz – besonders wenn sie mit der Bereitschaft Neues zu lernen, einhergehen.

Die Chancen sind also fraglos da: Doch wie organisiert man den Umstieg – und wie managed man die damit verbundenen Lebensrisiken?

Masterplan Lebensmitte – Was will man noch vom (Berufs-)leben?

Zunächst eine Warnung: Eine Kündigung aus dem Nichts heraus ist fast nie empfehlenswert. Der Schlüssel zum Jobglück in der Lebensmitte liegt vielmehr in strategischer Planung, genügend Realismus – und einer gründlichen Selbstreflexion. Entscheidend ist, seine wahren Wünsche zu identifizieren und herauszufinden, welche persönlichen und beruflichen Stärken vorhanden sind – und was noch fehlt, um erfolgreich zu neuen beruflichen Ufern aufbrechen zu können.

Bilder: Shutterstock

Die wichtigsten Schritte zum Ziel

Berufliche Bilanz-Liste: Was sind bisherige Erfolge und Frustrationen?

Wertecheck: Sind Ihnen heute Themen wie Autonomie und gesellschaftliche Verantwortung vielleicht wichtiger als in der Vergangenheit?

Ziele finden: Was fehlt bisher und was würde mich mehr erfüllen? Finden Sie Ihre Vision!

Gesammelte Stärken neu definieren: Welche Kenntnisse und Erfahrungen (zum Beispiel Projekte managen, strategisch planen) kann ich im neuen Feld einbringen?

Risiken minimieren

Wer in der Mitte des Lebens steht, hat oft schon einiges erreicht aber auch einiges zu verlieren. Die Angst vor finanziellen und gesellschaftlichen Verlusten ist daher meist ein enger Wegbegleiter. Wo sie aufkeimt, sollte sie den Wunsch nach Veränderung nicht lähmen – und dennoch ernst genommen werden.

Um hier mehr Sicherheit zu schaffen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Zum einen sind finanzielle Rücklagen hilfreich, um Einkommensausfälle abzupuffern.

Aber auch ein schrittweiser Wechsel und Teilzeit-Ausstieg minimiert das wirtschaftliche Risiko. Dazu eignen sich zum Beispiel die Absenkung der Arbeitszeit oder ein Sabbatical. Das kann auch dabei helfen, sich in einer Auszeit darüber klar zu werden, ob ein echter beruflicher Wechsel überhaupt notwendig ist.

Für erste Praxiserfahrungen im neuen Arbeitsfeld und den Erwerb neuer branchenspezifischer Qualifikationen lässt sich aber auch der Jahresurlaub nutzen.


Altersvorsorge im Blick behalten

Einkommenslücken durch Teilzeitphasen, Sabbaticals oder niedrigere Gehälter im neuen Job führen unweigerlich zu Mindereinnahmen bei den Rentenansprüchen. Prüfen Sie daher frühzeitig den Status Ihrer gesetzlichen und betrieblichen Vorsorge (insbesondere bei der Zusatzversorgungskasse nach einem Wechsel aus dem öffentlichen Dienst). Verluste sollten Sie unbedingt durch Ausgleichszahlungen kompensieren: Ob durch freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung während Auszeiten oder durch eine erhöhte Sparquote in der privaten Vorsorge.

Wechsel: Von sanft bis radikal

Dazu kommt: Berufliche Veränderung hat viele Gesichter. Vom Management in den Rettungsdienst mag für die einen passen, für die anderen wird der Schritt zu radikal sein. Die stressärmste und sicherste Variante ist die Neupositionierung im bekannten Umfeld. Viele Unternehmen, die den Wert erfahrener Arbeitskräfte schätzen, bieten Möglichkeiten wie den Wechsel in eine andere Abteilung oder einen Rollenwechsel hin zu Mentoring und Coaching für jüngere Kollegen.

Wer sich für einen Branchenwechsel weiterbilden möchte, kann dies heute oft berufsbegleitend tun, zum Beispiel mit Teilzeit-Studiengängen und spezialisierten Online-Kursen. Auch der Sprung in die Selbstständigkeit kann parallel zum bestehenden Job angebahnt werden.

Auch der Staat unterstützt den beruflichen Wechselwunsch. Prüfen Sie steuerliche Abschreibungen für Fortbildungs- und Studienkosten sowie andere Förderungen. Zum Beispiel:  den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit (bei Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeitslosigkeit) oder das Aufstiegs-BAföG (für Meister und Fachwirte).

Empfehlenswert ist auf jeden Fall ein Plan, der gut zum eigenen Risiko-Profil passt.  Für Sabine K. war nach einer längeren Orientierungszeit der Weg plötzlich ganz klar. Sie erkannte, dass sie in ihrer leitenden Position nicht die Arbeit störte, aber sie den sozialen Sinn vermisste. Sie coacht heute Nachwuchstalente in ihrem Unternehmen und hat ihre Stundenzahl reduziert, um sich ehrenamtlich in der Kommunikation für ein Naturschutzprojekt engagieren zu können.

Heute sagt sie:

Ich würde es niemals anders machen. Das Gehalt ist etwas niedriger, aber das, was ich mache, macht mich glücklich – hoffentlich noch viele Jahre.

No comments

LEAVE A COMMENT