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Im Dienst der Allgemeinheit: Was eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst so attraktiv macht

Im Dienst der Allgemeinheit: Was eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst so attraktiv macht

Viele verbinden mit der Arbeit im öffentlichen Dienst Sicherheit — aber auch ein etwas staubiges Image, Hierarchien und starre Strukturen. Tatsächlich ist der öffentliche Dienst in den letzten Jahren moderner, digitaler und dynamischer geworden – und inzwischen auch bei jungen Leuten viel beliebter als früher. Kein Wunder, denn er kann mit einigen handfesten Vorteilen punkten.

In den letzten Jahren hat der öffentliche Dienst etwas geschafft, was man lange nicht für möglich gehalten hätte. Er ist bei jungen Menschen angesagter als eine Karriere in der freien Wirtschaft. So würden sich laut einer aktuellen HDI Berufe-Studie 43 Prozent der Erwerbstätigen bei gleicher Tätigkeit eher für den öffentlichen Dienst entscheiden, für die Privatwirtschaft nur 40 Prozent.

Ein wichtiger Grund: die in Krisenzeiten als deutlich höher wahrgenommene Jobsicherheit. Jede fünfte Person fürchtet Jobverlust durch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie Klimakrise, Ukrainekrieg oder die Veränderungen des Arbeitsmarktes durch KI. (Studie) Und während Unternehmen trotz Fachkräftemangel zurzeit eher Personal abbauen oder zögern, stellt der Staat weiterhin ein. Nach aktuellen Schätzungen fehlen in Bund, Ländern und Kommunen rund 600.000 Beschäftigte — ein Trend, der sich durch den massiven Renteneintritt der Babyboomer noch verstärken könnte.

 

Öffentlicher Dienst 2024


Quelle: Statistisches Bundesamt 2024

Rund 5,4 Millionen Menschen in Deutschland waren 2024 nach vorläufigen Ergebnissen im öffentlichen Dienst beschäftigt (Stichtag 30. Juni 2024). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Tag des öffentlichen Dienstes am 23. Juni 2025 mitteilt, waren das 95 900 Beschäftigte oder 1,8 % mehr als ein Jahr zuvor. Damit arbeiteten 2024 knapp 12 % aller Erwerbstätigen in Deutschland im Staatsdienst. Hohe Zuwächse waren vor allem bei den Schulen, Hochschulen und Kindertageseinrichtungen zu verzeichnen.

Quelle: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt 17.06.2025

 

Mehr „Ehre“ in der Behörde

Dass die Arbeit im öffentlichen Dienst inzwischen so beliebt geworden ist, liegt auch daran, dass sich viele Behörden in den letzten Jahren spürbar modernisiert haben – nicht zuletzt, um im Wettbewerb um Talente bestehen zu können. Während früher graue Flure und Einzelbüros das Bild prägten, orientieren sich heute immer mehr Verwaltungen an zeitgemäßen Arbeitswelten, Homeoffice gehört oft zum Standard. Auch organisatorisch tut sich viel: Programme wie Ehrenbehörde“ unterstützen Behördenteams dabei, neue Arbeitskulturen auszuprobieren, Eigeninitiative zu stärken und Veränderungen als positiven Bestandteil einer zukunftsfähigen Verwaltungskultur zu begreifen.

Doch wie attraktiv ist die Arbeit im Öffentlichen Dienst tatsächlich? Wieviel verdient man im Vergleich zur freien Wirtschaft, wie sind die Karrierechancen und wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein Thema, das bei der jungen Generation ebenfalls hoch im Kurs steht?

Verdienst

Für Angestellte im öffentlichen Dienst gelten der TVöD bzw. TV-L. Diese Tarifverträge regeln, in welcher Entgeltgruppe man je nach Qualifikation und Tätigkeit eingestuft wird – und wie sich das Gehalt anschließend entwickelt. Das bedeutet, es gibt regelmäßige Stufenanstiege. Das Einkommen (und die Altersvorsorge) von Angestellten liegt zwar unter dem von Beamtinnen und Beamten – vor allem netto, weil Angestellte Sozialabgaben zahlen müssen. Auch im Vergleich zu Topjobs in der freien Wirtschaft fallen Gehaltssprünge im öffentlichen Dienst eher moderat aus. Trotzdem wächst die Attraktivität des Gehaltes im öffentlichen Dienst für viele Menschen. Der wichtigste Grund: Während in der Privatwirtschaft zunehmend unsichere oder uneinheitliche Vergütungsstrukturen einziehen, profitieren Angestellte im öffentlichen Dienst nach wie vor von einer starken, flächendeckenden Tarifbindung, die für eine langfristig stabile Einkommensentwicklung sorgt.

Bilder: Shutterstock

Vorsorge für Krankheit und Alter

Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, ist überdurchschnittlich gut abgesichert. Krankheit, Alter, Familiengründung oder große Anschaffungen lassen sich so mit deutlich weniger Risiken planen als in vielen Berufen der Privatwirtschaft.

Das beginnt mit der besseren Bonität beim Immobilienerwerb (als Folge des sicheren Arbeitsverhältnisses) und geht weiter bei einer besonders guten Absicherung im Krankheitsfall: Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung erhalten Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst einen Krankengeldzuschuss. Der Arbeitgeber gleicht dabei die Differenz zwischen Krankengeld und Nettogehalt aus, so dass weiterhin das volle Nettogehalt fließt – bis zu 39 Wochen lang.

Für Beamtinnen und Beamte sowie einige weitere Gruppen im öffentlichen Dienst gibt es außerdem einen Familienzuschlag, der sich am Familienstand und der Kinderzahl orientiert. Auch Tarifbeschäftigte profitieren häufig von familienfreundlichen Leistungen, je nach Dienststelle teilweise ergänzt durch Belegplätze in Kitas.

Ein entscheidender Vorteil ist schließlich auch die Zusatzversorgung als zweite Säule der Altersvorsorge.

Alle Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst erhalten neben der gesetzlichen Rentenversicherung eine betriebliche Zusatzversorgung, die je nach Beschäftigungsbereich von unterschiedlichen Versorgungsträgern organisiert wird. Während auf Bundes- und Landesebene meist die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder zuständig ist, übernehmen in vielen Kommunen und Regionen kommunale Zusatzversorgungseinrichtungen oder Versorgungskammern diese Aufgabe – darunter auch die BVK. Gemeinsam ist allen Systemen: Sie bieten eine verlässliche, tariflich verankerte Zusatzrente, die die spätere Versorgung spürbar verbessert.

Beamte erhalten eine Pension, die bis zu 71,75 Prozent des letzten Bruttogehalts betragen kann, und damit eine bessere Altersvorsorge als andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Zudem erhalten Beamte in der Krankheitsversorgung Beihilfe von ihrem Dienstherrn (50 bis 100 Prozent der Kosten). Nur für die restliche Summe müssen sie eine private Teil-Krankenversicherung abschließen, die oft günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung ist.

Karriere

Kann man im öffentlichen Dienst genauso Karriere machen wie in der freien Wirtschaft? Ja, eine Karriere ist im öffentlichen Dienst durchaus möglich – aber sie funktioniert anders. Das Bild „vom Tellerwäscher zum Millionär“ passt eher in die Welt der Unternehmen, wo einzelne Karrieresprünge spektakulär ausfallen können und Spitzengehälter keine Seltenheit sind.

Im öffentlichen Dienst verlaufen Aufstiege dagegen strukturierter, im Rahmen einer „Laufbahn“. Mit Weiterbildungen und Erfahrung kann man sich Schritt für Schritt hocharbeiten – etwa von der Sachbearbeitung zur Sachgebietsleitung und später in die Amtsleitung oder Verwaltungsführung. Oder – im Krankenhausbereich – von der Pflegekraft über Stations- und Bereichsleitung bis hin zur Pflegedirektion einer großen Klinik. Beeindruckende berufliche Lebenswege sind so also durchaus auch im öffentlichen Dienst möglich.

Warum der öffentliche Dienst überall ein bisschen anders ist

Einerseits ist im öffentlichen Dienst viel einheitlich geregelt – durch Tarifverträge, Besoldungstabellen und gesetzliche Vorgaben. Andererseits erleben viele Beschäftigte im Alltag, dass sich Arbeitsbedingungen, Zusatzleistungen oder Abläufe deutlich unterscheiden, je nachdem ob sie bei einer Bundesbehörde, einem Landesamt oder einer Kommune arbeiten. Grund ist der Föderalismus. Bund, Länder und Kommunen sind eigene Arbeitgeber – mit eigenen Zuständigkeiten und Gestaltungsspielräumen. TVöD (Bund/Kommunen) und TV-L (Länder) ähneln sich, unterscheiden sich aber in Details wie Arbeitszeit, Stufen oder Zulagen. Die größten Unterschiede gibt es jedoch zwischen Angestellten und Beamten. Ein Punkt, den man sorgfältig betrachten sollte, wenn man über einen Berufsweg im öffentlichen Dienst nachdenkt.

Jobsicherheit

Hier ist der Unterschied zwischen Angestellten und Beamten entscheidend. Für Angestellte im öffentlichen Dienst gilt im Grunde ein normaler Arbeitsvertrag – aber mit besonders starkem Kündigungsschutz. Nach einigen Jahren Betriebszugehörigkeit ist eine ordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber nur noch in Ausnahmefällen möglich. In der Praxis kommt das äußerst selten vor. Beamte sind tatsächlich nahezu unkündbar und können nur in sehr seltenen Ausnahmefällen entlassen werden. Damit bietet der öffentliche Dienst insgesamt eine deutlich höhere Arbeitsplatzsicherheit als die meisten Bereiche der Privatwirtschaft.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Der öffentliche Dienst gehört zu den familienfreundlichsten Arbeitgebern in Deutschland – gerade für Eltern kleiner Kinder oder pflegende Angehörige.

Behörden und öffentliche Einrichtungen bieten seit Jahren eine breite Palette an Modellen, die Familien entlasten: Gleitzeit, Teilzeit, Jobsharing, Homeoffice, flexible Wiedereinstiege und in vielen Fällen auch verlässliche Vertretungsregelungen, die spontane Überstunden verhindern.

Hinzu kommt: Arbeitszeiten sind meist gut planbar, Meetings liegen häufiger in Kernzeiten, und es gibt klare Vorgaben zu Pausen, Ruhezeiten und Mehrarbeit. Viele Verwaltungen haben eigene Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, manche sogar betriebseigene Kitas oder Belegplätze.

Faire und transparente Bezahlung

Während in der freien Wirtschaft Gehälter oft Ergebnis von Verhandlungen, situativen Marktlagen oder persönlichem Auftreten sind, gelten im öffentlichen Dienst Tarifverträge und Besoldungsordnungen, die für alle einsehbar sind. Egal ob Angestellter oder Beamtin: Die Eingruppierung richtet sich nach Qualifikation und Aufgabe – nicht nach Geschlecht, Verhandlungsgeschick oder Sympathie. Auch die Stufensteigerungen folgen festen Regeln. Diese Transparenz wirkt sich nicht nur auf die persönliche Planungssicherheit aus, sondern auch auf das Betriebsklima: Wenn klar ist, dass alle fair bezahlt werden und Gehaltssprünge nicht hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden, entsteht weniger Konkurrenzdruck. Missgunst und stille Vergleiche, die Stimmung und Zusammenarbeit belasten können, treten seltener auf.

Auf der anderen Seite kann die strikte Gleichbehandlung auch Frust erzeugen. Denn wer sich im Job stark engagiert oder zusätzliche Verantwortung übernimmt, verdient im öffentlichen Dienst meistens nicht mehr als jemand, der nur das Nötigste macht. Viele Beschäftigte erleben das als unfair – insbesondere, wenn man die Arbeit für wenig leistungsbereite Kollegen miterledigen muss. Um Einsatz und Engagement sichtbarer zu machen, arbeiten viele Verwaltungen inzwischen an moderner Führung und einer besseren Anerkennungskultur.

Sinn und Anerkennung

Viele Menschen möchten spüren, dass ihre Arbeit etwas bewirkt. Genau hier hat der öffentliche Dienst einen starken Vorteil. Ob in Schule, Kita, Pflege, Verwaltung, Umwelt, Sicherheit oder Bürgerdiensten – die eigene Arbeit hat fast immer direkte gesellschaftliche Wirkung. Man gestaltet Lebensrealität, unterstützt Menschen, hält die Infrastruktur am Laufen und sorgt dafür, dass Demokratie, Staat und Kommune weiter funktionieren.

Gerade in sozialen, pädagogischen oder sicherheitsrelevanten Berufen erfahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst auch unmittelbare Wertschätzung – durch Eltern, Patientinnen, Bürger oder in Teams, die sich aufeinander verlassen können.

Fazit

Der öffentliche Dienst liegt zwar nicht in jedem Vergleich auf Platz 1 – aber er bietet dennoch viel und erfreut sich deswegen bei jungen Jobsuchenden zurecht wachsender Beliebtheit. Zu seinen wichtigsten Pluspunkten: stabiles Einkommen, klare Tarifstrukturen und weitgehende Arbeitsplatzsicherheit. Die Karrierewege sind zwar eher solide als spektakulär, aber sie funktionieren – und zwar für viele, die sich fachlich weiterentwickeln oder Verantwortung übernehmen wollen. Dazu kommen Arbeitsbedingungen, die Familien und Pflegeaufgaben deutlich leichter vereinbar machen – und eine Vielfalt von gesellschaftlich relevanten Aufgaben. All das macht den öffentlichen Dienst heute zu einem Arbeitsumfeld, das zeitgemäßer ist als sein Ruf vermuten lässt – und in dem sich viele Beschäftigte gut und langfristig aufgehoben fühlen.

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