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Dresscode Homeoffice: Gummizug forever?

Dresscode Homeoffice: Gummizug forever?

Der Siegeszug der Bildschirmarbeit aus dem heimischen Schlafzimmer hat eine Fashion-Revolution der eigenen Art ausgelöst. Und dabei hatten wir uns doch alle vorgenommen, auch im Homeoffice die Form zu wahren! Doch Selbstachtung hin oder her: Jogginghose ist und bleibt King. Bleibt nur die Frage: Werden wir Krawatten bald nur noch im Textilmuseum bestaunen?

Kleider machen Leute, heißt es. Doch das galt nur für einen bestimmten Abschnitt der Zivilisationsgeschichte. Genauer, bis der Mensch das Homeoffice erfand. Seitdem zählt die Devise „Hauptsache bequem, Hauptsache elastisch“! Folgerichtig: Auch im Jahr 2024, 4 Jahre nach Beginn der Pandemie, war die Jogginghose der deutschen Vogue zufolge immer noch eines der IT-Pieces überhaupt. Die Schlabberhose mit Gummizug hat nicht nur eine einmalige Erfolgsgeschichte im Universum der Mode hingelegt, sie ist nun auch mit echtgoldenen Seitenstreifen bei Gucci erhältlich: für ebenfalls schlappe1300 Euro.

Casual schlägt Business-Look, so kann man die Modegeschichte der letzten Jahre zusammenfassen.

Kein Wunder: Hoodies und überdimensionierte Kopfhörer beweisen, wenn es drauf ankommt, eben doch meist deutlich mehr „Videokonferenz-Glaubwürdigkeit“ als der feinste Businesszwirn.

High-Heels „tout de suite“ durch Flauschsocken ersetzt

Betrachten wir die Krawatte. Seit ewigen Zeiten ist sie das Symbol für Seriosität im Job. Nun hat sie so gut wie ausgedient. Das verkündete das Statistische Bundesamt vor kurzem. Krawatten werden in Deutschland immer weniger gekauft und noch weniger getragen. Der Grund: Das enge Gefühl um den Hals und das umständliche Binden mag sich einfach kaum jemand mehr antun.

Umsätze im Sinkflug: Krawattenhersteller stehen unter Druck. Nach Angaben des Modeverbands Germanfashion, basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, sind die Krawattenimporte nach Deutschland zwischen 2014 und 2023 um zwei Drittel zurückgegangen.

Wer verstünde das nicht.  Gut möglich, dass das nur der Anfang ist. Vielleicht landet bald alles im Fundus der Bekleidungshistorie, was den Elastizitätstest nicht besteht. Neben dem Korsett und anderen Produkten mit dem inzwischen restlos entmachteten Motto: Wer schön sein will, muss leiden. Wenig Hoffnung besteht diesbezüglich auch für High-Heels, die früher zum alltäglichen Albtraum von Frauen in Führungspositionen gehörten. Sie wurden im Homeoffice von bekennenden Leaderinnen „tout de suite“ durch Flauschsocken ersetzt. Rückkehr zu Lebzeiten: eher unwahrscheinlich.

Unter der Tischplatte: Where the magic happens!

Geben wir es zu: Diese digitale modische Revolution gegen alles, was schmerzt, drückt oder einengt, wäre nicht möglich gewesen, wenn es keine Tischplatten gäbe.  Das Epizentrum der digitalen modischen Revolution liegt südlich der Schreibtischplatte. This is where the magic happens, von hier aus hat die Macht des Gummizugs ihre ganze Energie entfaltet.

Ob ganz ohne Hose, in Boxershort oder Jogger, der Homeoffice-Dresscode bietet dank blickschützender Tischplatte die grenzenlose Freiheit – zumindest, so lange niemand aufsteht, um dem Paketboten die Tür zu öffnen, und vergisst, vorher die Kamera auszustellen.

Ja, hier gibt es vermutlich weniges, was wir in den letzten Jahren nicht ansehen durften oder mussten – aber so ist das nun einmal mit kulturellen Lernprozessen.

Inzwischen sind wir alle längst gewiefte Illusionskünstler des Augenblicks geworden.

Ob es darum geht, schnell noch einen Blazer über das Schlafanzugoberteil werfen, mit Lippenstift und Make-up in Sekunden einen professionellen und superwachen Eindruck zu simulieren oder auch bei einem „Bad-Hair-Day“ mal die „Kamera-geht-leider-nicht-Karte“ auszuspielen.

Wenn nur nicht die Rückkehr in die unbarmherzige Realität drohen würde! Denn so einfach die Kleiderfrage zuhause geworden ist, so verwirrend wird es, wenn wir plötzlich zwischen heimischem Schreibtisch und realer Begegnung in ungünstig beleuchteten Konferenzräumen hin- und herwechseln müssen. Wie viele akute Entscheidungskrisen vor dem morgendlichen Kleiderschrank es wohl derzeit gibt, wenn der abrupte Wechsel vom Gummizug zur steifen Bundfalte gefordert wird?

Casual 2.0: Virtuell und elastisch

Im Homeoffice dagegen könnte es zukünftig noch bequemer als bisher zugehen. Die Virtualität könnte es wieder mal möglich machen. Casual Homeoffice 2.0. ginge dann so: Bei einem Call lässt sich nicht mehr nur der Raumhintergrund mit Palmenstrand oder New-Yorker-Bürokulisse wählen. Zusätzlich zaubert uns die KI je nach Anlass auch gleich die entsprechende Kleidung auf den Leib: Businessjacket mit perfekt gebundener Krawatte für den Kunden-Termin, Hoodie für die internen Meetings, Bluse mit Perlenkette für das Gehaltsgespräch mit der Personalabteilung.

Mit einem Fingerschnipp hätten wir alle unsere bestens gefüllten, virtuellen Kleiderschränke. Selbstverständlich drückt, zwickt, engt hier nichts ein. Und was wir tatsächlich tragen, bliebe dann, sogar ohne Tischplatte, für immer unser persönliches Modegeheimnis. Vermutlich jedoch wird ein Gummizug eine Rolle spielen. Denn die sind nun einmal gekommen, um zu bleiben.

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