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Engagement im Job: Wie eine positive Arbeitsplatzkultur die Motivation stärkt – und was jeder selbst dazu beitragen kann

Engagement im Job: Wie eine positive Arbeitsplatzkultur die Motivation stärkt – und was jeder selbst dazu beitragen kann 

Ein gutes Arbeitsklima ist zwar ein echter Pluspunkt für die Produktivität – und doch in vielen Unternehmen immer noch eher Wunsch als Wirklichkeit. Dabei hängt die Frage, ob wir morgens gern mit der Arbeit beginnennicht nur von unseren Aufgaben und dem Gehalt ab. Ein ebenso wichtiger Punkt ist: Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit mit den Führungskräften und mit den Kollegen? 

Was aber ist Engagement genau? Arbeitswissenschaftler beschreiben damit eine Haltung, sich mit den eigenen Aufgaben und dem Unternehmen besonders verbunden zu fühlen. Bei Bedarf selbst die Initiative zu ergreifen, eigene Ideen einzubringen und auch dann an einer Aufgabe dranzubleiben, wenn es einmal schwierig wird. Doch so wichtig besonders engagierte Mitarbeiter, die die „Extrameile gehen“ für die Arbeitswelt sind, so selten sind sie dort offenbar anzutreffen.  

Stark verbunden fühlen sich nur etwa 10 Prozent 

Mit dem „Engagement Index“ misst das Beratungsunternehmen Gallup Jahr für Jahr, wie viel – beziehungsweise wenig – sich die in Deutschland beschäftigten Personen mit ihrem Arbeitsplatz emotional verbunden fühlen. Der aktuelle Report berichtet, dass nur etwa jeder zehnte Beschäftigte hier das Häkchen bei „stark verbunden“ setzt. 77 Prozent geben dagegen an, emotional nur schwach an ihren Arbeitgeber gebunden zu sein und ihre Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen, ohne sich darüber hinaus einzubringen. Leistet also ein Großteil aller Beschäftigten nur den nötigsten „Dienst nach Vorschrift“, hat ein Großteil von ihnen vielleicht sogar schon „innerlich gekündigt“? 

Die Antwort ist komplizierter. Zu ihr gehört: Sehr viel zu geben für seinen Job impliziert auch immer einen Vertrauensvorschuss der Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber. Das setzt Vertrauen auf eine wechselseitige Loyalität voraus, die in unserer aktuellen Arbeitswelt, in der 40-jährige Betriebszugehörigkeiten immer seltener vorkommen, oft nicht mehr gilt. Stattdessen sind die Ansprüche an Beschäftigte heute sehr widersprüchlich. Sie sollen flexibel und dabei gleichzeitig loyal sein. Bereit, ihr Wissen zu teilen, mit der Gefahr sich dabei mittelfristig (von der KI) ersetzbar zu machen. Bestleistung liefern und gleichzeitig auf die eigenen Belastungsgrenzen achten. Das erklärt vielleicht, warum viele Beschäftigte beim Thema Engagement vorsichtig die Bremse ziehen – und lieber nicht alles auf eine Karte zu setzen. Dazu kommt: nur gut ein Drittel der Beschäftigten vertraut laut Gallup derzeit noch in die finanzielle Zukunft des eigenen Arbeitgebers.  

 

Engagement Deutscher Beschäftigter

 

DER BESCHÄFTIGTEN SIND IHREM ARBEITGEBER EMOTIONAL HOCH VERBUNDEN

ERLEDIGEN IHRE ARBEIT ZUVERLÄSSIG, BRINGEN SICH ABER NICHT WEITER EIN

Sich stärker einbringen, wenn die Bedingungen stimmen 

Gleichzeitig wünschen sich Beschäftigte auch in einer sich dynamisch verändernden Jobwelt durchaus Möglichkeiten der Mitwirkung am Arbeitsplatz. Das zeigt für den öffentlichen Dienst exemplarisch das Fach- und Führungskräfte-Barometer 2026 der dbb akademie. Der klare Tenor der Befragten: Die meisten wollen Verantwortung übernehmen und Veränderungen mitgestalten. Aber sie fühlen sich oft ausgebremst von Bürokratie, dauerhaft zu hoher Arbeitsbelastung und nicht zuletzt: mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte.  

Gute Arbeit im öffentlichen Dienst braucht mehr als Engagement — sie braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die Menschen stärken und nicht zusätzlich belasten.“ (Simone Fleischmann, die Stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb und Vorsitzende der dbb akademie).

Positive Arbeitsplatzkultur basiert auf Wertschätzung 

Das Schlüsselelement ist hier eine wertschätzende Arbeitsumgebung, in der  

  • Verbesserungsvorschläge nicht ins Leere laufen  
  • Leistungen anerkannt werden  
  • die eigene Expertise im Kollegenkreis gefragt ist 
  • Flurfunk und Gerede über Abwesende vermieden und stattdessen  
  • Probleme offen angesprochen und Verständnisrückfragen gestellt werden können, ohne negative Bewertungen nach sich zu ziehen.  

Dies ist vielen Mitarbeitenden im Zweifel mehr wert als der obligatorische Obstkorb in der Teeküche oder das Präsent zum 20jährigen Dienstjubiläum. 

„Wertschätzung definiere ich als wohlwollende Aufmerksamkeit“, sagt der Unternehmensberater, Philosoph und Buchautor Stephan Pfob, der Organisationen beim Wandel der Arbeitswelt begleitet. „Das heißt, ich bin anderen Menschen positiv gesonnen und aufmerksam für das, was sie tun.“  

Dass Führungskräfte daran oft scheitern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich oft nicht gesehen fühlen, liegt seiner Meinung nach teilweise an fehlender Empathie.  Aber auch an Stress, Überforderung und Rollenkonflikten. Und teilweise auch an einem alten Mindset, der darin besteht, dass man sagt: „Für deine Arbeit wirst du doch schon bezahlt. Was denn jetzt noch alles?‘ 

Wie motivierend und produktivitätssteigernd Wertschätzung ist, wird oft immer noch unterschätzt. Dabei liegen die Zusammenhänge auf der Hand. Das bestätigt auch eine Studie der Universität Wien: Erhaltene Anerkennung und die Bereitschaft, die sprichwörtliche „Extrameile“ zu gehen, sind laut Studienleiter Jens Hagelstein unmittelbar miteinander verknüpft.  

Was die Forscher aber besonders überrascht hat: so wichtig wie das Lob des Chefs ist auch die Wahrnehmung durch Kollegen und Kolleginnen.  

Befragte wünschen sich vor allem Anerkennung für vermeintlich Alltägliches wie Zuverlässigkeit und Verantwortungsbereitschaft. In der Praxis sind nicht nur Kommunikationsabteilungen und Vorgesetzte, sondern alle Mitarbeiter gefragt, die Leistungen ihrer Kolleginnen und Kollegen zu sehen und zu würdigen.

Engagierte Mitarbeite bilden einen Kreis

Quelle: Shutterstock

Was jeder Einzelne dazu beitragen kann 

Wertschätzung im Team: Das beginnt mit der freundlichen Begrüßung im Büroflur – auch wenn man den Kollegen vielleicht noch gar nicht kennt. Und erstreckt sich als allgemeine positive Aufmerksamkeit auf das, was mein Umfeld leistet und braucht, zum Beispiel:  

das Dankeschön für die zuverlässige Urlaubsvertretung, das Angebot, jemandem, der in Zeitnot ist, einen Weg abzunehmen.  

Hier kann jeder und jede Einzelne die Augen und Ohren öffnen. Denn Wertschätzung ist keine Einbahnstraße. Wer erlebt, dass er von seinen Kolleginnen und Kollegen geschätzt und gemocht wird, erlebt Arbeit stärker als sinnvollen „Anker“ des persönlichen Lebens, wie es die ehemalige Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) Jutta Almendinger formuliert hat. Und dieses Gefühl kann auch in einer von größeren Unsicherheiten geprägten Arbeitswelt weiter zu mehr Freude bei der Arbeit beitragen – und damit die Bereitschaft fördern, sich wieder stärker zu engagieren.  

 

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